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01.08.2026 - Prof. Dr. Wolffsohn: Genie und Gewissen – Herbert von Karajan zwischen Musik und Nationalsozialismus
11.00 Uhr, Friedrichsforum
Die Rolle Herbert von Karajans (1908–1989) im Nationalsozialismus gehört seit Jahrzehnten zu den umstrittensten Kapiteln der Musik- und Zeitgeschichte. Politische Zuschreibungen, verkürzte Deutungen und widersprüchliche Darstellungen haben das Bild eines der bedeutendsten Dirigenten des 20. Jahrhunderts nachhaltig mitgeprägt. Eine neue Studie des Historikers Michael Wolffsohn legt nun eine umfassende, quellenbasierte Neubewertung vor. Die Studie in Buchform ist im Februar 2026 im Verlag Herder erschienen unter dem Titel Genie und Gewissen – Herbert von Karajan zwischen Musik und Nationalsozialismus.

Die Studie wurde vom Eliette und Herbert von Karajan Institut in Auftrag gegeben. Ziel war eine umfassende, wissenschaftlich fundierte Aufarbeitung. Auf Grundlage umfangreicher internationaler Archivarbeit wertete Wolffsohn eine Vielzahl von Quellen aus, darunter auch bislang unbeachtete oder falsch interpretierte Unterlagen. Dazu zählen Akten aus Archiven in Deutschland, Österreich, den USA, Großbritannien, Frankreich und Israel, NSDAP- und Behördenunterlagen, Entnazifizierungsakten, private Korrespondenzen sowie erstmals zugängliche Bestände aus Karajans Privatbibliothek. Er führte darüber hinaus zahlreiche Gespräche mit Zeitzeugen und deren Nachfahren.

Zentrales Ergebnis der Studie ist eine klare Differenzierung zwischen formaler Anpassung und ideologischer Überzeugung. Wolffsohn kommt zu dem Befund, dass Herbert von Karajan kein Gesinnungsnationalsozialist und kein Täter war. Er ordnet ihn als „Formalnationalsozialisten“ ein: als politisch desinteressierten, karriereorientierten Mitläufer, der sich in einem autoritären System opportunistisch bewegte, ohne dessen Ideologie zu teilen. Karajans Handeln sei primär von seiner Fixierung auf Musik und künstlerischen Erfolg geprägt gewesen, nicht von politischem Engagement.

Den vollständigen Pressetext finden Sie auf der Website von Prof. Dr. Wolffsohn.
 

Zum Vortragenden

Professor Dr. Michael Wolffsohn ist einer der führenden Experten für die Analyse internationaler Politik und nicht zuletzt die Beziehungen zwischen Deutschen und Juden auf staatlicher, politischer, wirtschaftlicher und religiöser Ebene. Der Historiker und Publizist meldet sich regelmäßig zu wichtigen politischen, militärpolitischen, historischen und religiösen Fragestellungen zu Wort. Bei Themen wie Zukunft der Bundeswehr, Nahost und andere Weltkonflikte, deutsch-israelische Beziehungen oder Geschichte und Gegenwart des Judentums hat er sich mit präzisen Analysen und klaren Stellungnahmen einen Namen gemacht.
 
Der 1947 in Tel Aviv geborene Sohn einer 1939 nach Palästina geflüchteten jüdischen Kaufmannsfamilie übersiedelte 1954 mit seinen Eltern nach West-Berlin. Nach Wehrdienst in Israel und Studium in Berlin, Tel Aviv und New York lehrte er von 1981 bis 2012 als Professor für Neuere Geschichte an der Universität der Bundeswehr in München. Er hat zahlreiche Bücher, Aufsätze und Fachartikel verfasst und ist weiterhin publizistisch und als vielbeachteter Vortragsredner tätig. Der Deutsche Hochschulverband, die Standesorganisation der deutschen Professoren, kürte Michael Wolffsohn 2017 zum Hochschullehrer des Jahres.
 
Er erbte im Jahr 2000 die von seinem Großvater, dem Verleger und Kinopionier Karl Wolffsohn, gegründete Gartenstadt Atlantic, die von 2001 bis 2005 vollständig modernisiert wurde. Ergänzend wurden in der denkmalgeschützten Anlage gemeinnützige, allgemein zugängliche deutsch-türkisch/muslimisch-jüdische Kultur,- Bildungs- und Integrationsprojekte vorwiegend für Kinder und Jugendliche eingerichtet.

Preise und Ehrungen (nur eine kleine Auswahl!):
1988 – Bundesverdienstkreuz
1991 – Preis des Deutschen Historischen Instituts, Washington, DC
1992 – Konrad-Adenauer-Preis für Wissenschaft
2003 – Jahrespreis der Stiftung für Abendländische Ethik und Kultur, Schweiz
2017 – Hochschullehrer des Jahres
2018 – Franz-Werfel-Menschenrechtspreis der Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen
2023 – Verdienstorden des Landes Berlin

Weitere Informationen finden Sie auf Prof. Dr. Wolffsohns Website.

 

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